Interreg IIIA

Nähe zum Bürger lernen

Interreg-Projekt: Sieben Rathauschefs fühlen sich schon klüger als ihre Räte

Konstanz - Manchmal sind sie erbitterte Konkurrenten, doch die Nähe zum Bürger wollen sie gemeinsam lernen: Die Spitzenvertreter von sieben Städten rund um den See haben deshalb in Schloss Mainau eine weitere Folge des Projekts „Lernende Verwaltung“ gestartet. Eine halbe Millionen Euro lassen sich dies Gemeinden und Europäische Union kosten.

Als Gastgeber der Runde der Oberbürgermeister oder ihrer Vertreter sagte der Konstanzer OB Horst Frank am Donnerstagabend, das Projekt ermögliche Fortschritte, die eine Stadt allein nur schwer erzielen könne. Die Partner wollen so unter anderem einen Online-Test für Verwaltungsmitarbeiter entwickeln. Auf freiwilliger Basis  könnten diese dabei Fähigkeiten prüfen und angeben,  hieß es. Die Verwaltung könne so schneller als bisher herausfinden, wer für welche Aufgabe geeignet sei, wenn etwa rasch jemand mit Fremdsprachen-Kenntnis gesucht werde. Weitere Beispiele:  Feldkirch und Konstanz tauschen sich über Erfahrungen im Kampf gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen aus. Überlingen will als kleine Stadt vom Wissen der großen Nachbarn profitieren. Friedrichshafens Oberbürgermeister Josef Büchelmeier ist überzeugt: „Die Zukunft der Region liegt in der Vernetzung der Region.“

Bereits seit sechs Jahren läuft das nun erneuerte Projekt. Fünf Mal haben sich die Stadtspitzen getroffen unzählige Male kamen Experten und Mitarbeiter zusammen. In der neuen Projektphase haben bereits wieder 200 Rathaus-Mitarbeiter gemeinsam gelernt -  unter anderem Schritte zu mehr Bürgerservice und Führungstechniken. All dies habe sie klüger und besser gemacht, zeigten sich die Chefs der Rathäuser überzeugt. Norbert Lumbe, Oberbürgermeister-Vertreter aus Radolfzell, sagte: „ Die Verwaltungen sind schon weiter als die politische Gemeinde.“ Nachholbedarf gebe es bei den Gemeinderäten, die diesen Prozess noch nicht so wahrgenommen hätten, so der Radolfzeller Lumbe.

Der Konstanzer OB Frank, in der Vergangenheit mit mancher Nachbarstadt durchaus verkracht, erklärte die Beobachtung Lumbes mit dem Alltagsgeschäft: Eine Verwaltung habe eher gemeinsame Projekte mit Nachbarn, „ was ein Gemeinderat ja nicht so hat.“ Der Überlinger OB Volkmar Weber sagte über die Verwaltungsspitzen: „Wir stehen sicher enger zusammen als der Gemeinderat.“ Kollege Josef Büchelmeier ergänzte: „ Die Gemeinderäte müssen auch lernen, über den Kirchturm hinauszuschauen.“ Das Projekt der „Lernenden Verwaltung“ zeigte die Vorteile einer dauerhaften Zusammenarbeit.

Allerdings erinnerte Büchelmeier daran, auch die Mitglieder der Kommunalparlamente bemerkten etwas von dem Programm: „Unsere Gemeinderäte kriegen es mit, weil sie die Mittel für das Projekt genehmigen.“ Je nach Größe der Stadt sind dies 7500 bis 40 000 Euro im Jahr. Insgesamt geben die Gemeinden bis 2006  rund 250 000 Euro, das EU-Programm Interreg legt noch mal 250 000 Euro drauf. Die Stadtoberhäupter sind überzeugt: Das ist viel billiger, als wenn sie hierfür auswärtige Berater anheuern würden.

Frank van Bebber

Südkurier, Sa. 31.1.2004, Kreis Konstanz S.32

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Stand: 14.05.2007