Interreg IIIA

Sich noch stärker vernetzen

Teilnehmer am grenzüberschreitenden Interreg- IIIA-Projekt „Lernende Verwaltungen“ trafen sich auf der Mainau

Regina Klett

Mainau. Gemeinsam lernen, zu eigenen Nutzen und zum Nutzen der Bürger, dies ist das Ziel des Projektes „Lernende Verwaltungen“.

Am Projekt beteiligen sich neben den deutschen Städten Konstanz, Radolfzell, Überlingen und Friedrichshafen in der Ostschweiz Kreuzlingen und Schaffhausen sowie die Voralberger Stadt Feldkirch.

Es startete Mitte 2003 mit einem Gesamtvolumen von 528 000 Euro und wird im Rahmen des Interreg-IIIA-Programmes „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ mit insgesamt 259 000 Euro Interreg-Mitteln gefördert, davon 63 000 Euro aus der Schweiz. Der Anteil der Städte liegt je nach Größe zwischen 10 000 und 40 000 Euro.

Ausgangspunkt des Projektes ist die Erkenntnis, dass die kommunalen Verwaltungen diesseits und jenseits der Grenzen zwar in vieler Hinsicht unterschiedliche Strukturen aufweisen, aber dennoch vergleichbare Probleme haben. Ob in Konstanz oder in Kreuzlingen, Schaffhausen oder Feldkirch, überall bedeuten die Notwendigkeit zur Modernisierung und die Umstellung von reiner Verwaltung zur Dienstleistung bei gleichzeitig steigendem Effizienzdruck und knapper Kassen eine große Herausforderung.

Da sich diese Herausforderungen gemeinsam besser bewältigen lassen, haben sich die Verwaltungen der sieben Städte in der Euregio Bodensee zusammen getan, um Synergien zu nutzen, voneinander zu lernen und gemeinsam Kompetenzen Reformstrategien in den Bereichen Bürgerorientierung , Mitarbeiterschulung und Verwaltungskultur grenzübergreifend auszubauen.

Das Projekt „Lernende Verwaltungen“ ist dazu gedacht, ein Netzwerk zu bilden, das jeder einzelnen Stadt hilft, Neuerungen durchzuführen, die sie allein nicht bewältigen könnte, und das auch zu einem „fruchtbaren Meinungsaustausch“ untereinander führe, sagte beim Treffen der Städte-Vertreter auf der Mainau der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank. Letztlich, so waren sich alle Beteiligten einig, werde das Projekt dazu beitragen, dass die Verwaltungen über den eigenen Kirchturm hinausschauen, was wiederum allen Bürgern rund um den See zu Gute komme. Es wachse die Einsicht: „Wir gehören zu Europa, deshalb müssen wir am See zusammenarbeiten“, so Stadtammann Josef Bieri, „der See und die ganze Region profitieren, vor allem aber die Bürger“. Konkret umgesetzt wird das Projekt unter anderem durch Lernpartnerschaften, gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen und Workshops, bei denen sich seit August 2003 bereits 200 Mitarbeiter qualifiziert haben.

Entstanden sind daraus zahlreiche Kooperationen etwa zur Einführung von Personalentwicklungsinstrumenten, bei der ökologischen  Beschaffung oder der Verwaltungskultur.

Mit einem Internetportal soll nun die Grundlage für ein Wissensnetzwerk geschaffen werden, weiteres Ziel sind gemeinsame Strategien für mehr Bürgernähe und Kundenorientierung sowie ein gemeinsames System zur Mitarbeiterförderung. Schließlich haben die Stadtoberhäupter bei ihrem Treffen  auf der Mainau einen intensiven Austausch beschlossen, der im Herbst 2004 fortgesetzt werden soll.

Befragt 

 „Wir haben doch keine Defizite“

Silvano Castioni (Stadtschreiber Kreuzlingen)

Herr Castioni, Stadtverwaltungen der See-Region sollen voneinander lernen. Welche Defizite hat Kreuzlingen zu kompensieren?
Wir haben doch keine Defizite! Aber lernen kann man immer.

Zum Beispiel was? 
Wir sind eine relativ schlanke und kostengünstige Verwaltung. Dadurch ist es oft schwierig, die personellen Stellvertretungen zu handhaben. Andere Stadtverwaltungen betreiben einen viel höheren Personalaufwand. Da könnte man vielleicht etwas lernen. Trotzdem müssen wir hier unseren Weg gehen. 

Ein Ziel ist die Schaffung von mehr Bürgernähe. Von wem lernen Sie in diesem Punkt?
Zum Beispiel von Feldkirch. Das ist eine sehr innovative Stadt, stark im Personalbereich und stark in der Bürgerorientierung.

Wie äußert sich die Bürgerorientierung?
Es gibt ein Bürgerbüro, das Auskunft über jedes Wehwehchen gibt. Das gibt dem Personal im Hintergrund dann etwas mehr Luft.

Man hat den Eindruck, in der Kreuzlinger Stadtverwaltung sei das Personal überlastet.
Das ist so, wir sind total eingedeckt mit dem Tagesgeschäft und haben keine Zeit, Ideen weiterzuentwickeln oder innovativ zu sein. In Feldkirch hat die Verwaltung ein Gruppe für strategisches Management, die sich unter anderem mit der Zukunft der Kommune beschäftigt.

Womit sind sie zurzeit im Projekt „Lernende Verwaltungen“ konkret beschäftigt?
Mit Kursen für Führungskräfte. Aus dem Projekt hervorgegangen ist auch ein interner Kulturentwicklungsprozess, aus dem heraus wir ein Verwaltungsleitbild entwickelt haben.

Kreuzlingen 2004_02

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Stand: 14.05.2007