Die Städte sollen voneinander lernen
Die Zukunft der Region liegt in der Vernetzung. Darüber sind sich die Verwaltungschefs rund um den See einig, die sich im Interreg-Projekt „ Lernende Verwaltung“ zusammengeschlossen haben.
Jutta Cappel
Konstanz im schneebedeckten Schlosshof der Insel Mainau parkten am Donnerstag die Dienstwagen der Oberbürgermeister von Konstanz und Friedrichshafen, von Stadtammann Josef Bieri aus Kreuzlingen, Stadträtin Veronika Heller aus Schaffhausen sowie der Verwaltungschef von Bregenz, Überlingen und Radolfzell.
Ihr Treffen hatte einen Sinn: Sie gaben den Startschuss zu einer noch stärkeren Vernetzung der Städte, die unter dem Namen „Interreg III a Alpenrhein- Bodensee-Hochrhein“ bereits seit 1998 bestehende Projekte weiterführt. Gelder in der Höhe von rund 250 000 Euro kommen von der Europäischen Union und der Schweiz; die andere Hälfte steuern die Kommunen bei.
Gut investiertes Geld
Der Kreuzlinger Stadtammann Josef Bieri nannte keine konkrete Zahl, doch liege der jährliche Beitrag etwa in der Höhe von Überlingen, den deren Bürgermeister Weber mit etwa 7500 Euro bezifferte. Das eingekaufte „Know-how“ entspreche einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, betonte der Kreuzlinger Stadtammann und verwies auf die vielen Experten in anderen Verwaltungen, die diverse Beraterverträge unnötig machen.
Gerade die persönlichen Kontakte der Rathauschefs ließen das Potential multiplizieren, während es sich „wenn man sich nicht so gut kennt“ nur addiere. Dass Kreuzlingen und Konstanz quasi Wegbereiter eines behördlichen Gedankenaustauschs sind, erfüllte Josef Bieri und seinen Konstanzer Kollegen Horst Frank mit Stolz.
Kundenbefragungen
Als weiteres Gründungsmitglied fühlt sich der Bregenzer Verwaltungschef Wilfried Berchtold nach eigenem Bekunden in der Runde der Verwaltungschefs gut aufgehoben. Er verwies auf zwei Parallelprojekte mit Konstanz: Kundenbefragungen in der Bauverwaltung und Vergleiche zum steigenden Vandalismus und Alkoholmissbrauch von Jugendlichen.
Führungskräfte austauschen
Die Zahlen sprechen für sich. Allein seit August 2003 tauschten die Partner mehr als 200 Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Führungskräfte aus, um voneinander lernen zu können.
Die Schaffhausener Stadträtin Veronika Heller konkretisierte, dass trotz anderer gesetzlicher Vorgaben die Probleme ähnlich seien. Im Vordergrund der gemeinsamen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen stehen der Bürgerservice sowie mitarbeiterorientierte Führungstechniken.
„Potentialanalyse“
Geplant ist eine so genannte „Potentialanalyse“ auf freiwilliger Basis, wo Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen per Internet ihre Wissens- und Interessensschwerpunkte auflisten, einschließlich eventueller seltener Fremdsprachen wie beispielsweise arabisch oder chinesisch.
Stehe ein Projekt im Raum, sollten sich die Verwaltungen zuerst über Kompetenzen ihrer internen Mitarbeiter informieren, bevor sie externe Büros einschalten. Dass der „Stress in den Haushaltskassen“ indirekt starken Druck ausübt, verhehlten die Rathauschefs ebenso wenig wie die Tatsache, dass die politische Parteien im grenzüberschreitenden Städtenetzwerk noch keine Rolle spielen.
Vorreiter der Vision
Kein Problem hingegen sei das Thema „Wirtschaftsspionage“, da zumeist die gesamte Region von Entscheidungen betroffen seien. Als Vorreiter einer gemeinsamen Vision hielten Stadtamman Josef Bieri und Oberbürgermeister Horst Frank zusammen: Die Grenzstädte Kreuzlingen und Konstanz geben seit Jahren gemeinsam das Wirtschafts-Magazin heraus und verleihen den Innovationspreis.
Für die Zukunft beschloss die „lernende Verwaltung“ ein Internetportal für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gedacht als Grundstein für ein Wissensnetzwerk sowie eine Großkonferenz aller Verwaltungen mit dem Ziel von mehr Bürgernähe.
Kreuzlingen 2004_02
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